MAILAND, LEIDENSCHAFT „NAVIGLI”

Fr, 13 April 2018
MAILAND, LEIDENSCHAFT „NAVIGLI”
Heute pulsiert das Herz der Stadt um die Kanäle, die von Leonardo geplant wurden. Hier findet man die „Nuova Darsena” (neues Hafenbecken), die typischen Häuser mit Balkon zum Innenhof und die Ateliers der Künstler. Es ist kein Zufall, dass die New York Times die Gassen entlang der Navigli unter den..

Heute pulsiert das Herz der Stadt um die Kanäle, die von Leonardo geplant wurden. Hier findet man die „Nuova Darsena” (neues Hafenbecken), die typischen Häuser mit Balkon zum Innenhof und die Ateliers der Künstler.

Es ist kein Zufall, dass die New York Times die Gassen entlang der Navigli unter den zwölf schönsten Straßen Europas auflistet. Im Herzen Mailands befindet sich das Ufer des Stadttors „Porta Ticinese” («Ripa di Porta Ticinese»), das am Hafenbecken beginnt und sich entlang des „Naviglio Grande” verzweigt und einen wirklich faszinierenden Fleck der Stadt repräsentiert. Hier ist immer Trubel, es gibt unzählige Weinlokale, Gasthäuser, Kunstgallerien, Handwerksstätten, Buch- und Vintage-Läden.

Viele Mailänder, Studenten und zahlreiche Touristen kommen gerne hierher, an diese alten Uferstraßen nicht weit vom Zentrum, wo man in internationaler Atmosphäre jeden Abend den sogenannten „Aperitivo” mit reichen Buffets und fantasievollen Cocktails genießen kann. Hier entstehen Szenelokale, die sowohl den Gaumen als auch die Augen verwöhnen. Viele davon überraschen mit einem Sitzbereich im Grünen, andere decken ihre Tische direkt am Wasser.

Man hat also nur die Qual der Wahl: Vom modernen „Rebelot”, das ein bisschen an französische Bistros erinnert, über das raffinierte „El Brellin” bis hin zur „Osteria al Coniglio Bianco” mit ihrer hervorragenden traditionellen Küche; und schließlich ist da auch noch das neue „Temakinho”, das einen köstlichen Mix aus japanischer und brasilianischer Küche anbietet.

Man kann den pittoresken „Vicolo dei Lavandai” entlang spazieren oder zwischen den Ständen des „Mercatone dell’Antiquariato” (Antiquitätenmarkt) bummeln, der an jedem letzten Sonntag des Monats stattfindet und das ein oder andere besondere Schnäppchen wie Vintage, Keramiken und Möbel, Uhren und Schmuck bereithält. Im April und Oktober wird auch die große „Fiera Mercato” organisiert, wo man Blumen, Pflanzen und Gartenausstattung erstehen kann. An dieser Veranstaltung nehmen mehr als 200 Floristen aus ganz Italien teil, die meisterhaft und farbenfroh ihre Stände gestalten.

Insgesamt umfassen die Navigli fünf Kanäle, die sich über Hunderte Kilometer ausbreiten und Mailand mit den Flüssen Ticino und Po, mit dem Lago Maggiore und dem Comer See verbinden, aber auch mit zahlreichen Städten wie Pavia. Früher reisten viele Waren und Personen ausschließlich auf den Wasserwegen, die Lastkähne ermöglichten den Transport von allerlei Waren wie Kohle, Wein, Fleisch und Fisch, aber auch Holz und sogar Marmor für den Bau des Mailänder Doms.

Auch Leonardo Da Vinci, der gegen Ende des 15. Jahrhunderts im Alter von 30 Jahren nach Mailand kam, arbeitete an den Navigli bei der Fertigstellung einiger hydraulischer Systeme. Er wurde auch herzoglicher Ingenieur genannt und ihm verdanken wir die Planung der sogenannten „Conca dell’Incoronata”, von der noch die Schleusen mit den originalen Holztüren zu sehen sind.

Wer heute durch die alten Winkel der Stadt Mailand schlendert, nimmt diese außergewöhnliche Fusion zwischen Vergangenheit und Gegenwart wahr, deren interessantestes Beispiel die Nuova Darsena ist, die 2015 zur Expo eingeweiht wurde. Dieses künstliche Becken wollten die Spanier, die die Stadt zu Beginn des 17. Jahrhunderts dominierten und repräsentierte für Jahrhunderte einer der meistbefahrensten Häfen, und Mailand wurde damit zu einer Stadt wie Amsterdam oder Manhattan… Unglaublich, oder? Erst gegen Ende der siebziger Jahre hat das alte Hafenbecken seine so lange Handelsaktivität aufgegeben und nach einer Zeit des Verfalls wurde es komplett renoviert.

Heute ist der Bereich um das Stadttor „Porta Ticinese” aufgewertet und neues Leben eingekehrt. Es ist ein modernes Viertel entstanden, das man vom Dom in nur 15 Minuten erreicht. Der Weg führt vorbei an den Säulen von San Lorenzo und durch das neoklassische Stadttor aus dem kostbaren roséfarbenen Granit aus Baveno.

Zwischen Straßenkünstlern, Streetfood-Ständen, Touristenbooten und versteckten Kirchen wie San Cristoforo ist das Viertel um die Navigli eine Art Welt für sich und enthüllt eine der vielen Seelen Mailands, das heute wie damals als eine dynamische und arbeitsame, rasende und moderne Stadt gesehen wurde, die zwar antiken Ursprung hat, aber trotzdem immer auf dem neuesten Stand ist. Eine Stadt, die eng mit ihrer Geschichte verwachsen ist und gleichzeitig immer in die Zukunft blickt.

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